iedereen 
Rock / Alternative Rock
„Ich geh k.o., brenne lichterloh“: Schon der Opener „GKO“ ihres Debütalbums fasst in wenigen Worten zusammen, worum es bei iedereen geht. Um das Risiko, um die Verausgabung, um den Einsatz weit über das Maß hinaus. Wenn man nur zu zweit ist, muss man einfach mit höherem Engagement spielen, und es ist vor allem die Dringlichkeit und die Energie dieser Band, die einen direkt am Kragen packt. Das hat durchaus etwas von dem verzweifelten Ennui, den Bands wie die Fehlfarben oder Abwärts vor über 40 Jahren formulierten.
Doch auch wenn ein Teil der iedereen-Referenzen in die Vergangenheit weist, darf man sich nicht täuschen lassen: Mit Nostalgie und dem Glauben an die Überlegenheit des Gestern hat das hier nichts zu tun. Diese Band ist felsenfest im Hier und Heute verankert. Dafür sorgen allein schon die Texte und die Themen, die unser Leben im Jahr 2023 umkreisen: Vom Self-Care Sunday zur geteilten Amazon-Prime-Mitgliedschaft, vom Tempolimit zum Tinnitus, von Niki, die die WhatsApp nicht liest, zum modernen Mann, der sich finden oder suchen oder verlieren muss.
Im April 2024 spielt das Indie-Rock-Duo als Support von Acht Eimer Hühnerherzen und es geht auf die erste eigene Headlinertour. Wenn der Alltag ein Gefängnis ist, schmuggeln iedereen mit ihrer Musik eine Feile in die Zelle, mit der man entweder die Gitterstäbe durchsägt - oder eben direkt ein Loch in die Scheißmauer klopft. So klingt Eskapismus im Jahr 2024.